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Reale Links zur virtuellen Welt – Mobile Marketing mit QR Codes

Wenn es um Linkaufbau geht, sprechen wir fast immer vom Backlinkaufbau aus SEO-Sicht. Heute möchte ich aber von einer ganz anderen Art von Linkaufbau sprechen, der mit SEO erstmal nichts zu tun, viel mehr mit QR Codes. Sie sind der Link aus der realen in die virtuelle Welt.

Was sind QR Codes?

QR Codes sind nichts neues. Die zweidimensionalen Barcodes wurden bereits 1994 von der japanischen Firma Denso Wave entwickelt. Die Codes lassen sich von Smartphones mit Hilfe einer App entschlüsseln und können  eine URL, Text, Telefonnummer, Geo-Location, WiFi-Informationen, Kontaktdaten oder SMS enthalten.

Zunächst müssen wir festhalten, dass der Anteil von Smartphones am deutschen Mobilfunkmarkt rapide wächst. Laut einer aktuellen Studie der Comscore Inc. betrug der Anteil im November 2010 bereits 23%. Im Jahr 2010 sind 5,1 Millionen neue Smarphone Nutzer dazugekommen. Das Entspricht einem Anstieg von 65%. Das mobile Internet nutzen bereits 65% aller deutschen Smartphone-Nutzer mindestens einmal im Monat.

Im Gegensatz zu Japan, wo QR-Codes im Marketing schon weit verbreitet sind, hat es hierzulande bisher nicht zur Massentauglichkeit gereicht. Aufmerksam geworden ist man schon seit längerem. Im Netz finden sich zahlreiche Beispiele und Einsatzmöglichkeiten für QR-Codes. Die rasante Entwicklung von Smartphones, und damit des mobilen Internets, könnte QR-Codes im Marketing aber zum Durchbruch verhelfen. QR-Codes könnten sich zum Bindeglied zwischen Offline und Online-Inhalten entwickeln. Besonders gefällt mir dabei, dass QR-Codes ein großes Potential für kreative Ideen bieten. Es sind der Phantasie nur wenig Grenzen gesetzt. Die meisten Listen die man dazu findet sprechen überwiegend von den gleichen Einsatzgebieten: Visitenkarten, Poster, Flyer, Aufkleber, Gewinnspiele, Gutscheine, T-Shirts, Schnitzeljagten usw. QR-Codes können naturgemäß in allen Printmedien eingesetzt werden. Viel interessanter ist aber die Frage nach den Inhalten die damit Verbunden sind. Daher möchte ich im folgenden nicht so sehr auf die Medien eingehen die den QR-Code tragen, sondern vielmehr auf die Inhalte dahinter.

Einsatzmöglichkeiten von QR Codes

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die Inhalte zu denen ein QR-Code führt individuell an das Ausgangsmedium angepasst sein sollten. Es darf also kein Medienbruch entstehen. Das erfordert in der Regel eine eigene, mobile Landingpage für jede Kampagne, die den Nutzer entsprechend empfängt. Der Nutzer sollte auch einen ersten Hinweis bekommen was er hinter dem QR-Code erwarten kann.

Erweiterung von Printmedien

QR-Codes eigenen sich hervorragend um Printmedien durch digitale Inhalte zu erweitern. So könnte man z.B. klassische Printanzeigen in Zeitungen durch ein passendes Video ergänzen, das über einen QR-Code aufgerufen wird. Genauso kann jede andere Art von Information verbunden werden. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt und es ist viel Platz für Ideen.

Social Media Marketing

QR-Codes können den Nutzer auch auf eine Landingpage führen die einen Facebook Like-Button enthält.  So kann man reale Dinge auf Facebook teilen. Das gleiche funktioniert natürlich auch mit Twitter. Man kann entweder einen Tweet generieren oder neue Follower gewinnen. Damit das geschmeidig funktioniert muss der Nutzer natürlich mit seinem Smartphone auch bei den Diensten eingelogt sein. In Zukunft wird das aber mit Sicherheit immer mehr der Fall sein.

Mehrwert für Produkte.

QR-Codes können einen zusätzlichen Mehrwert für Produkte schaffen. Dieser Bereich bietet meiner Meinung nach, neben Social Media Marketing, mit das größte Potential für den Einsatz von QR-Codes.

  • So könnte ein QR Code auf einer Weinflasche im Restaurant z.B. zu einer mobilen Seite führen, die weitere Informationen über den  Wein und das Anbaugebiet liefert. Warum nicht auch gleich die Möglichkeit eine Kiste für zu Hause zu bestellen, noch bevor der Kellner mit der Rechnung kommt?
  • Bedienungsanleitungen oder Baupläne von Möbeln, könnten zu einem Video-Tutorial führen das Schritt für Schritt beim Aufbau hilft oder weitere Informationen bereitstellt.
  • Bioprodukte könnten zu Videos und Interviews mit dem Produzenten führen. Wie wäre es, wenn man sich die Lebensbedingungen der Hühner direkt als Video ansehen könnte, bevor man die Eier kauft. Man könnte Informationen zum Herstellungsprozess bereitstellen, Rezepte liefern die Produkte des gleichen Herstellers beinhalten und vieles mehr.
  • Bücher könnten mit völlig neuen Inhalten versehen werden welche die Geschichte ergänzen oder zum Teil sogar interaktiv gestalten. Sachbücher könnten durch ergänzende Dokumente, Videos, oder Services erweitert werden.
  • Produkte könnten mit kostenlosen oder auch kostenpflichtigen Apps und Inhalten aus iTunes verknüpft werden und so weitere Verkäufe generieren.
  • Museen könnten ihre Ausstellungen durch digitale Informationen und interaktive Inhalte erweitern. Es könnten ganz neue Besuchererlebnisse kreiert werden.
  • Besucher eines Konzertes könnten sich über QR-Codes sofort das Album bei iTunes runterladen oder mit weiteren Informationen versorgt werden.

Das sind nur ein paar Ideen die mir gerade in den Kopf geschossen sind. Setzt man sich mit diesem Punkt eingehender auseinander, wird man feststellen, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Es läßt sich praktisch jedes Produkt durch digitale Inhalte erweitern und damit für den Kunden interessanter gestalten.

Verkaufsförderung

[image title=“Fluid Forms QR Buckle“ align=“right“]http://ragazzigroup.de/wp-content/uploads/2011/02/qr-code.jpg[/image]Sind QR-Codes erstmal massentauglich geworden, so könnten lokale Geschäfte gewissermaßen auch den Ladenschluss austricksen, in dem Sie QR-Codes in Ihren Schaufenstern platzieren, die den Nutzer direkt in einen Online-Shop führen, wo er das Stück, das er eben im Schaufenster gesehen hat, präsentiert bekommt. Zu kompliziert? Mann kann den Interessenten auch zu einem Gutschein führen, mit dem er das gute Stück am nächsten Tag vergünstigt im Laden erwerben kann. So kann auch ein Schaufenster an Wochenenden oder bei Nacht verkaufsfördernd genutzt werden. Genau so lassen sich Verkäufe natürlich auch aus jedem anderen Medium einleiten. Otto beispielsweise, hat in seiner iPhone und Android App bereits einen QR-Code Reader und auch gleich einen mobilen Onlineshop integriert. So können QR-Codes im Katalog gescannt und über die App bestellt werden.

Email Marketing

Nutzer könnten zu einer Landingpage geführt, wo Name und Email abgefragt werden, um an weitere Inhalte zu gelangen. Diese Nutzer können danach immer wieder angesprochen und mit neuen Inhalten versorgt werden.

Guerilla Marketing

Im Guerilla- und Viralmarketing werden QR-Codes in Zukunft sicher verstärkt genutzt. Aufkleber sind dabei sicher noch die naheliegendste Möglichkeit. Mit etwas Phantasie kommt man aber auf sehr vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So könnte z.B. ein Hersteller für Toilettenpapier in öffentlichen Toilettenkabinen QR-Codes anbringen. Diese führen zu einem Video, dass das unangenehme „Schmirgelpapier“ als Aufhänger nutzt und als Alternative für zu Hause das weiche 4-lagige Luxustoilettenpapier anpreist.  Auch wieder nur eine schnelle Idee, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Tickets und Gutscheine

Auch der umgekehrte Weg ist möglich. Nutzern können QR-Codes auf das Smartphone geschickt werden. Das können Tickets sein wie bei der Bahn oder auch Gutscheine für Produkte. Die Nutzer müssen diesen nur vorzeigen und scannen lassen.

Vermarktung von Apps und digitalen Medien.

Über QR-Codes können hervorragend Apps und Inhalte von iTunes vermarktet werden. So kann ein QR-Code direkt zur entsprechenden App im Appstore oder zu Inhalten in iTunes führen.

Chancen und Probleme von QR-Codes

Zunächst mal kann man sagen, dass QR-Codes ganz neue Möglichkeiten im mobilen Marketing bringen und sehr großes Potential haben.  Sie sind das Bindeglied zwischen Offline- und Onlineinhalten. Alles kann so multimedial erweitert werden. Das Problem derzeit liegt darin, dass noch viel Erklärungsbedarf beim Nutzer besteht. Die wenigsten haben eine App installiert die QR-Codes lesen kann. Für den Nutzer ist es noch zu umständlich an die Inhalte zu kommen, auch wenn er eine begleitende Erklärung zum QR-Code bekommt. Das folgende Video verdeutlicht das sehr gut.

Während die Karriere Bibel das Jahr 2011 schon als Jahr des Barcode Marketing sieht, wäre ich noch etwas zurückhaltender. Die Zuwachsraten sind enorm, wie man in dem Artikel auch sieht, das ist keine Frage. Bis aber die Massentauglichkeit erreicht ist, wird es meiner Einschätzung nach noch ein wenig länger dauern. Menschen werden noch lernen müssen mit den QR-Codes intuitiv umzugehen. Unternehmen die sich aber frühzeitig damit auseinandersetzen und gute Ideen entwickeln, wie sie QR-Code in ihr Marketing einbinden, werden natürlich einen Vorteil haben und damit gleichzeitig zur Verbreitung beitragen. Besonders für lokale Anbieter ergeben sich eine Menge Möglichkeiten.

Traffic

QR-Codes sind geeignet extrem zielgerichteten Traffic zu generieren. Daher ist es auch wichtig, individuelle Landingpages und Ziele für die verschiedenen Codes zu definieren, um den Besucher genau dort abzuholen wo er herkommt. Zudem läßt sich auch einfach die Reichweite der Codes ermitteln. Entweder anhand der Besucherzahlen einer eigens dafür eingerichteten Landingpage, oder man nutzt Shortlinks und kann so genau ermitteln wie viele den Code gescannt haben. Bit.ly liefert auch gleich einen QR Code zu jedem Shortlink.

Branding

QR-Codes sind auch noch dann lesbar, wenn bis zu 30% des Codes zerstört sind. Das bietet einen gewissen Spielraum für die Gestaltung. Es können Logos in den QR-Code integriert werden oder der QR-Code selber kann auch in andere Grafiken eingebaut werden.

Interaktivität

Wie bereits beschrieben, können mit der Hilfe von QR-Codes ganz neue Erlebniswelten geschaffen werden. Die Verlinkung von physischen Produkten mit digitalen Inhalten liefert praktisch unbegrenzte Möglichkeiten.

Landing Page für QR-Codes

[image title=“Paperlinks“ size=“small“ align=“right“]http://ragazzigroup.de/wp-content/uploads/2011/03/paperlinks.jpeg[/image]Wie bereits erwähnt, sollte man für QR-Codes eine Mobile Landingpage nutzen. Wer diese nicht selber machen will, kann auch den neuen Service von Paperlinks nutzen. Paperlinks bietet Unternehmen nicht nur die Möglichkeit Printmedien mit QR-Codes zu erstellen, sondern liefert auch gleich eine mobile Landingpage. Zu den Inhalten die man frei gestalten kann gehören:

  • Einleitung mit Hintergrundinformationen über das Unternehmen.
  • Kontakt, mit der Möglichkeit die Kontaktdaten auch gleich im Handy zu speichern.
  • Fotos, zum Beispiel für eine Produktgalerie.
  • Videos, um ein hochgeladenes Video anzuzeigen oder zu einem Video bei YouTube oder Vimeo zu verweisen.
  • Eine Kommentarfunktion, mit der die Nutzer aus der Anwendung heraus Kommentare hinterlassen können.
  • Promotions, um die Email Adresse des Nutzers zu erfragen.
  • Twitter Feed, mit der Möglichkeit zu folgen. (Facebook Modul soll folgen)
  • Downloads von iTunes oder Android Marktplatz.

Paperlinks bietet auch die Analyse der erstellten QR-Codes über ein Dashboard an. So kann man sehen, wann und wo die erstellten Codes gescannt worden sind.

Ein weiter Anbieter mit ähnlichem Konzept ist Jumpscan. Das folgende Video demonstriert die Funktionalität recht schön.

Zahlen

qr-codes info

Infografic: Jumpscan

Was hat das mit Linkaufbau zu tun?

Mit klassischem Linkbuilding aus SEO-Sicht hat das natürlich zunächst mal nichts zu tun. Ich denke in Zukunft wird es aber verstärkt so etwas wie Offline Linkbuildung geben. Je mehr Links man in Form von QR-Codes in der realen Welt platzieren kann, desto besser. Printanzeigen, Werbetafeln, Broschüren, einfach alles was sich bedrucken läßt kann in Zukunft zu einem echten Link und damit zu einer Traffic-Quelle werden. Wenn man nun weiterdenkt und überlegt, dass es auch immer einfacher wird Inhalte von Mobilen Endgeräten zu erstellen, so kann sich dadurch auch durchaus der ein oder andere echte Backlink ergeben. Ich gebe zu, dieser Punkt ist ein wenig weit und auch nicht zu Ende gedacht. Aber hier könnt Ihr ja einsteigen und euch Gedanken machen,  ob und wie man QR-Codes für das Linkbuildung, ob online oder offline, einsetzen kann.

Ressourcen

QR-Code Generatoren

Apps findet man für das iPhone und Android reichlich. Einfach im Store nach „QR Code“ suchen.

Was denkt Ihr über die Zukunft von QR-Codes? Welche Einsatzmöglichkeiten fallen euch noch ein? Lasst eurer Phantasie freien Lauf und hinterlasst einen Kommentar mit euren Ideen.

Bild: QR Code by id-iom

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  • Gute Ideen, die hier im Artikel versammelt sind!

    Wenn es Unternehmen gelingt über QR-Codes einen echten Mehrwert für den Nutzer zu schaffen, der nicht durch eine mangelnde Usabilty oder technischen „Schnick-Schnack“ behindert wird, dann können Barcodes tatsächlich „Real-Life“ Links darstellen.

    Damit jedoch auch der Linkaufbau hierüber angekurbelt wird, sollten Features wie „Diesen QR-Code twittern/ auf Facebook teilen“ implementiert werden. Sicher machen QR-Codes auch vor allem dann Sinn, wenn diese in einem Umfeld platziert werden, wo der Nutzer zwangsläufig mobil ins Web geht (U-Bahn, o.ä.) und sich hierüber auch der Aspekt „die Zeit sinnvoll totschlagen“ ggf. erfolgreich bedienen läßt…

    Gruß,
    Sebastian

    • Hallo Sebastian,

      ich denke auch es muß über Spielereien hinaus gehen. Wenn Spielereien dahinter sind, dann sollten sie zumindest sehr gut sein.

      Die Funktionen „twittern“ oder „auf FB teilen“ bieten die Tools die ich erwähnt habe bereits. Mann kann Sie aber auch leicht selber integrieren. Es kommt halt darauf an wie man die Landingpage gestaltet.

      Das größte Problem sehe ich zur Zeit wirklich in der Usabilty. Bis jeder weiß, was er mit so einem Code anfangen soll wird es wohl noch ein wenig dauern.

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  • Abdelkhalek Säm

    Hallo zusammen,

    ich habe meine Bachelorarbeit über QR-Codes geschrieben, hier gibt es eine Kurzfassung: http://dl.dropbox.com/u/15120457/Abdelkhalek_S%C3%A4m_Bachelorarbeit_Kurzfassung_20110610.pdf

    Die Vollfassung kann man hier herunterladen: https://www.examicus.de/AutorenAccount/list_arbeit_details.cfm?Artikel_Nr=5651

    Viel Spaß beim Lesen!

    Säm

  • Pingback: Durch QR-Codes werden Smartphones bedeutend | Handy Webseiten für jede Branche()

  • Sven

    Mittlerweile findet man QR-Code auch auf Schildern als Türschild, Firmenschild oder Hinweisschild z.B. http://www.schildershop24.de/qr-code-schilder

    Für den klassischen Linkaufbau bringen diese natürlich nicht viel. An der richtigen Stelle mit einem echten Mehrwertversprechen versehen, kann dies aber schon dauerhaft ein wenig qualifizierten Traffic bringen: