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4 Gründe warum Businesspläne überflüssig sind

Businesspläne sind nach wie vor ein beliebtes Planungsinstrument und aus der klassischen Existenzgründerberatung (leider) nicht wegzudenken. Laut dem Google Keywordtool gibt es alleine in Deutschland 165.000 Suchanfragen für das Wort „Businessplan„. Das läßt darauf schließen, dass offenbar viele Existenzgründer sich mit dem Schreiben eines Businessplans auseinandersetzen. Was auch kein Wunder ist, da ihnen von vielen Gründungsberatern immer und immer wieder die Wichtigkeit des Businessplans vorgebetet wird. Aber ist er das wirklich oder sollten die Befürworter des Businessplans anfangen umzudenken? „Steve Blank“ No businessplan survives the first contact to customer.

Bevor ich auf die Gründe eingehe warum ich Businesspläne in den meisten Fällen für überflüssig halte, möchte ich aus meiner eigenen Erfahrung diesbezüglich berichten. Wer daran nicht interessiert ist kann direkt zu nächsten Überschrift springen.

Meine Erfahrung

Auch ich habe in der Vergangenheit schon den ein oder andern Businessplan geschrieben. Der wohl wichtigste und umfangreichste Businessplan den ich mit meinen Partnern im Jahre 2003 geschrieben habe, hätte uns sogar eine Finanzierung von 10.000.000 US$ verschafft. Nein, ich habe mich nicht vertippt, es ging um eine Menge Geld. Es haben dabei auch persönliche Beziehungen eine große Rolle gespielt, aber ich denke es ist jedem klar, dass Beziehungen alleine für so eine Summe nicht ausreichen. Um ehrlich zu sein, war ich aber schon damals mehr als erstaunt, dass ein Businessplan die Grundlage dafür sein sollte. Wie kann ein Plan, der auf Annahmen beruht die zu einem Zeitpunkt X getroffen wurden, ernsthaft für sich beanspruchen, für drei, vier oder auch fünf Jahre in die Zukunft blicken zu können?

Es ging damals um den Neubau eines Eventcenters auf einem 11.000 m² großen Grundstück zwischen Köln und Bonn. Wir haben ca. ein Jahr und 25.000 Euro in Marktforschung, Planung und Erstellung des Businessplans sowie Steuerberater/Wirtschaftsprüfer und Architekten investiert. Mündlich wurde uns zu diesem Zeitpunkt schon signalisiert, dass es mit der Finanzierung kein Problem sein wird wenn die Zahlen gut aussehen. Wir haben also auf Grundlage der Marktforschungsdaten, der Einschätzung von Steuerberatern und unserer eigenen Annahmen den Businessplan erstellt und haben diesen von unserem Steuerberater auf Plausibilität prüfen lassen . Der hat uns dann auch eine entsprechende Rentabilität auf Grundlage der vorgelegten Zahlen bescheinigt hat.

Bereits da habe ich mich gefragt, wie kann der Mann uns sowas bescheinigen? Natürlich hatten die Zahlen eine gewissen Grundlage, aber letztlich waren es nur Annahmen, die mit der Realität nicht zwangsläufig übereinstimmen müssen.

Während der Planungsphase haben wir uns mit den Investoren schon einmal in London getroffen und haben dort mündlich die Rahmenbedingungen für den Finanzierungsvertrag besprochen. Nachdem dann alle Unterlagen erstellt und ins Englische übersetzt wurden, sind wir dann in die USA, um genau zu sein, nach Miami geflogen um dort den Vertrag zu unterschreiben. Drei Monate später wären die Bagger gerollt. Dazu ist es aber nie gekommen, da wir von dem vorgelegten Vertrag Abstand genommen haben. Es würde jetzt zu weit führen das hier alles in Einzelheiten zu erklären. Der Vertrag wich gravierend von dem ab was vorher mündlich besprochen wurde, besonders was die Fragen der Haftung anging. Zum Glück waren wir vernünftig genug das ganze Vorhaben damit zu beenden, auch wenn es uns sicher nicht leicht gefallen ist.

Ich weiß wie unser Businessplan entstanden ist. Bei aller Professionalität, fand ich es schon damals an den Haaren herbeigezogen wenn wir die Umsätze für das Jahr 3 nach der Gründung geplant haben. Wer zum Teufel weiß was in der Zwischenzeit passiert?

Aufgrund dieser Tatsache war ich damals selber nicht bereit das Risiko, dass der Finanzierungsvertrag mit sich brachte zu tragen. Für uns waren das schließlich bei weitem keine Peanuts um die es ging. Heute bin ich über diese Entscheidung sehr froh und habe in dem Jahr eine Menge wertvoller Erfahrungen sammeln können.

Nun sind wir aber im Jahr 2011 und abgesehen von meinen eigenen Erfahrungen gibt es viel handfestere Gründe warum ich Businesspläne für überflüssig halte.

Warum Businesspläne überflüssig sind

1. Niedrige Gründungskosten

Bis heute ist der Hauptgrund eines Businessplans der Bedarf an Fremdkapital. Wer darauf angewiesen ist kommt am Businessplan (noch) nicht vorbei. Viel wichtiger wäre in dem Zusammenhang das Geschäftsmodell, aber es wird sicher noch etwas dauern bis Banken, Investoren und Berater das realisiert haben.

Heute kann fast jeder ein Online Business mit minimalem Kapitaleinsatz starten. Es macht mehr Sinn ein paar Euro in eine vernünftige Webseite zu investieren (macht man es selber, sind die Kosten noch wesentlich geringer) und einfach zu starten, anstatt Wochen mit der Erstellung eines Businessplans zu verbringen um nach der Gründung festzustellen, dass man den gesamten Businessplan über den Haufen werfen kann, weil die Realität dann doch ganz anders aussieht. Die niedrigen Gründungskosten für internetbasierte Geschäftsmodelle erlauben eine Gründung ohne die Hilfe von Banken. Wenn man auf Fremdkapital verzichten kann braucht man auch keinen Businessplan. Bootstrapping heißt das Zauberwort.

2. Alternative Finanzierungsquellen

Nur die wenigsten, die ein Online-Business gründen wollen, werden es schaffen, Fremdkapital von Banken, Investoren oder Business-Angels zu bekommen. Wäre das die Voraussetzung für eine Gründung, würde es sehr viele Unternehmen garnicht geben. Die häufigste Finanzierungsquelle für Kleinunternehmer sind Eltern, Freunde oder der reiche Onkel. Die meisten von ihnen werden mit einem Businessplan inkl. umfangreichen Zahlenwerk wenig bis garnichts anfangen können. Will man sie von der eigenen Geschäftsidee überzeugen, so geht das in der Regel nur von Angesicht zu Angesicht und mit guten Argumenten.

Eine weitere Finanzierungsquelle, die immer beliebter wird, ist das sogenannte Crowdfunding. Wikipedia definiert Crowdfunding folgendermaßen:

Crowdfunding ist eine Art der Finanzierung, durch die sich Aktionen (Produkte, Projekte oder auch Geschäftsideen von Privatpersonen) mit Fremdkapital versorgen lassen. Als Kapitalgeber fungiert die anonyme Masse der Internetnutzer.

Eine Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Masse fremdfinanziert sein muss, bevor die Aktion startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jedes Mitglied der Masse (Crowdfunder) nur einen geringen finanziellen Anteil.

Seit Oktober 2010 gibt es mit mySherpas und Startnext auch 2 deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen. Die größte und bekannteste ist Kickstarter aus den USA.

Ob es nun die Eltern, Freunde, der reiche Onkel oder die Masse der Internet-User ist, ein Businessplan ist auch hier überflüssig. Die Idee muß überzeugen.

3. Die Zeit ist schneller.

Ein Businessplan beruht immer auf Annahmen. Die Annahmen wiederum beruhen auf Gegebenheiten, die zum Zeitpunkt der Erstellung herrschen. Nun leben wir aber in einer Zeit in der vieles im Wandel ist. Gerade im Internet und in der Technologiebranche begegnen wir fast schon täglich Neuerungen und Veränderungen. Mir ist noch niemand begegnet, der verlässlich in die Zukunft blicken kann. Ein Businessplan versucht aber genau das zu tun. Das Zahlenwerk bezieht sich in der Regel auf die kommenden 3-5 Jahre. Manchmal dauert es aber nichtmal 6 Monate, bis die zu Grunde gelegten Annahmen und Gegebenheiten überholt sind. Da frage ich mich, welchen Wert diese Zahlen überhaupt haben sollen? Alexander Osterwalder hat es im Interview schön ausgedrückt:

Ich glaube es realisieren auch immer mehr Unternehmer, aber auch Investoren, dass es keinen Sinn macht sich an einem Planungsdokument festzuhalten, in einer Welt, in der man nicht planen kann.

4. Den Businessplan liest niemand.

Ich habe es bisher noch nie erlebt, dass jemand einen Businessplan vollständig gelesen hat.  In der Regel sieht es so aus, dass Banker sich die Zusammenfassung durchlesen und einen Blick auf das Zahlenwerk werfen, um sich dann wieder bankinternen Zahlen sowie der Bonität zuzuwenden. Ich habe selbst mal in einer Bank gearbeitet und weiß, dass Banken Listen haben in denen jede Branche in Risikokategorien eingeordnet ist. Möchte man in der „falschen“ Branche gründen, so kann der Businessplan noch so sorgfältig erstellt sein, man wird dennoch keine Chance haben, es sei denn man kann entsprechende Sicherheiten oder Bürgschaften liefern. Abgesehen davon, ist die Zeit in der Banken und Investoren Internet-Gründern das Geld hinterherwerfen lange vorbei.

Fazit

Bevor jetzt die traditionellen Gründungsberater und Business-Gurus Sturm laufen, möchte ich eins festhalten. Es besteht ein Unterschied zwischen einem Businessplan und darin ein Unternehmen zu planen. Jeder Unternehmer sollte planen und natürlich kann ein Businessplan-Tool dabei auch hilfreich sein. Der Planungsprozess als solches ist für den Erfolg natürlich wichtig, sollte sich aber in Zukunft mehr auf das Geschäftsmodell konzentrieren. Darauf werde ich in einem der nächsten Artikel noch genauer eingehen. Bis dahin empfehle ich allen, die es noch nicht gelesen haben, das Interview mit Alexander Osterwalder über Geschäftsmodelle.

[image title=“Plancruncher“ size=“small“ align=“right“]http://ragazzigroup.de/wp-content/uploads/2011/03/plancruncher.jpg[/image]Der Businessplan als Dokument, so wie man ihn heute kennt, wird in meinen Augen im Laufe der Zeit verschwinden. Ein sehr schönes Tool, das den Businessplan auf einer Seite anschaulich zusammenfasst und visualisiert, ist der Plan Cruncher von Lunatec Ventures.

Ich würde an dieser Stelle gerne eine kleine Diskussion anstoßen. An die Gründer unter euch: War ein Businessplan ein essentiell notwendiges Instrument bei eurer Gründung oder habt ihr ohne Businessplan gegründet? Sehr gerne würde ich auch Stimmen von den Gründungsberatern hören die den Businessplan befürworten. Womit verteidigt ihr den Businessplan? Auch alle anderen sind natürlich herzlich eingeladen ihren Kommentar abzugeben.

Bild: Imagined Reality

  • Martin Grünstäudl

    Hallo Herr Weider,

    also zum Teil gebe ich Ihnen sogar recht. Doch genau das Problem ist ja, dass viele den Businessplan nur als notwendiges Übel auf dem Weg zur Finanzierungszusage bzw. zur Förderzusage sehen.

    Wichtigster Beweggrund zur Businessplanerstellung sollte aber nicht eine Finanzierungszusage durch die Bank sein, sondern ein fundiertes und tragfähiges Konzept auszuarbeiten. Am nützlichsten ist meiner Meinung nach nicht das fertige Resultat, sondern die Ausarbeitung an sich. Dadurch reflektieren Gründer ihre Idee und verbessern diese mitunter substantiell (zumindest wäre es möglich, wenn es zu einem Umdenken kommen würde).

    Liebe Grüße
    Martin Grünstäudl

    • Hallo Herr Grünstäudl,

      sie haben natürlich Recht, dass es in erster Linie um ein tragfähiges Konzept gehen sollte. Ich habe auch erwähnt, dass der Planungsprozess für den Erfolg sehr wichtig ist. Ein Businessplan kann dabei natürlich helfen. Jedoch gibt es, meiner Meinung nach, heute bessere Instrumente dafür.

      Mein Hauptkritikpunkt liegt auch auf dem Zahlenwerk eines Businessplans. Wie soll man ernsthaft und verläßlich die Umsätze der nächsten Jahre planen? Da kann ich auch einen Wahrsager befragen 😉 Es gibt einfach zu viele Unsicherheiten die man nicht planen kann.

  • Ludwig Lingg

    Guten Tag Herr Weider,
    ich stimme Ihnen zu. Ich schrieb bisher 2 Businesspläne und rate daher aufgrund der danach gemachten Erfahrung ab, einen Businessplan zu schreiben. Beim ersten Kundenkontakt war der Businessplan hinfällig.
    Heute gibt es andere Werkzeuge und Techniken, um eine Geschäftsidee auszuarbeiten. Sie erwähnten schon die Businessmodel Canvas von Alexander Osterwalder. So arbeitete ich bisher 12 verschiedene Geschäftsmodelle aus, um das Thema „Wie man eine Geschäftsidee entwickelt“ zu verkaufen. Prof. Faltin bietet 7 Techniken an, um eine Geschäftsidee zu entwickeln. Sehr hilfreich halte ich es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Sie dienen als Sparringspartner, und helfen damit eine Geschäftsidee systematisch zu verbessern. So treffe ich mich 1-2 mal im Monat mit 3 – 5 Sparringspartner um systematisch Geschäftsideen auszuarbeiten.
    Klassse finde ich die Idee von Matthias Klopp, einen Businessprototyp zu entwerfen und im realen Umfeld zu testen, welches Potential die Geschäftsidee hat. Nur die Meinung zahlender Kunden zählt. Dieses echte Feedback fliesst in die Ausarbeitung der Geschäftsidee ein. Zudem geht man nur sehr geringe Risiken ein und sollte die Idee floppen, dann entwickelt man einfach die nächste Idee. Auch hier entwickle ich gerade einen Bizprototyp und bin schon seehr neugierig, wie sich das entwickelt und auf das Feedback meiner ersten Kunden.
    Grundsätzlich bin ich dafür, seeehr intensiv ein ausgereiftes unternehmerisches Konzept zu erarbeiten. Wie sagt Guy Kawasaki: „Wenn man beginnt, bricht die Hölle los“. Und wenn die Hölle losbricht, sollte man extrem gut vorbereitet sein. Man kann ruhig die Fragen eines Geschäftsplanes nutzen, aber man muss keinen schreiben. Es gibt neue, bessere Wege heute.

    • Hallo Herr Lingg,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar zu dem ich nichts hinzuzufügen habe. Wie ich sehe haben wir ähnliche Sichweisen.

    • Daniel Seiler

      Sehr geehrter Herr Lingg,

      wie haben Sie Ihre „Sparringspartner“ gefunden? Wie könnte ich Menschen, die meine Ideen unentgeltlich und kompetent diskutieren ohne sie selbst zu verwirklichen oder weiterzugeben finden?

  • Hi Norbert,

    ich tendiere ehrlich gesagt eher zum Business Plan. Um meinen Gründungszuschuss zu bekommen, musste ich ebenfalls einen BP erstellen.

    Und ich denke, dass es in diesem Fall drei gute Dinge bewirkt:

    -wie bereits angesprochen, befasst man sich nochmal intensiv mit der Idee
    -man kann das Zahlenwerk in bestimmten Abständen abgleichen und prüfen, ob man auf dem richtigen Kurs ist (das mache ich übrigens tatsächlich)
    -im Falle des Gründungszuschusses gibt es damit einen Vorfilter, der Missbrauch schwieriger macht (ich kenne da so ein paar Gesellen, die ohne dieser Voraussetzung jetzt auch den Zuschuss bekommen würden ohne jemals die Intention einer Selbständigkeit gehabt zu haben)

    Ich denke so mancher Amateur-Unternehmer würde seine Idee direkt wieder begraben, wenn er erst mal eine Wettbewerbsanalyse gemacht hätte – Rach, der Restaurant-Tester hätte dann vermutlich deutlich weniger zu tun.

    Aber egal ob Business Plan, Business Model Canvas oder wie man es sonst nennen möchte – so völlig ohne Dokumentation zu starten, halte ich nicht für sinnvoll.

    Danke übrigens für die Einblicke in dein Ex-Großprojekt.

    Grüße,

    Robert

    • Hallo Robert,

      du hast natürlich Recht, Der Planungsprozess als solcher ist natürlich sehr wichtig. Welches Methode man dafür nun einsetzt ist dann Geschmackssache. Mein Hauptkritikpunkt am Businessplan ist das Zahlenwerk. Gerde in Branchen die sich in einem schnellen Wandel befinden, ist es extrem schwierig Vorhersagen zu treffen.

      Nach meiner Erfahrung mit diesem Großprojekt bin heute viel mehr an Ideen interessiert die sich mit möglichst wenig Startkapital finazieren lassen. In meinen Augen ist es immer besser wenn man sich nicht von Fremdkapital abhängig macht.

  • Hallo zusammen,

    also ich habe ohne Businessplan gegründet und würde es jederzeit wieder tun.
    Als Gründer sollte man sich mit seiner Idee auseinandersetzen und nicht mit irgenwelchen
    abstrakten oder viell. auch weniger abstrakten Businessplänen.
    Viel wichtiger als Pläne finde ich Enthusiasmus und Leidenschaft.

    Grüsse

    Matze

    • Hallo Matze,

      ich gebe dir insofern Recht, dass man ohne Enthusiasmus und Leidenschaft wohl kaum die nötige Motivation aufbringen wird um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen.

      Ohne einen Plan und eine Strategie seine Ziele zu erreichen wird es aber sehr schwierig. Es muß kein Businessplan sein. Aber einen Plan als solches sollte man schon haben.

  • Hallo Norbert,
    ich gehe auch davon aus, dass der klassische Businessplan, wie man ihn heute noch zu Fördergeldzwecken o.ä. einreichen muss, nicht auf Dauer das Maß aller Dinge sein kann. Gerade der Bereich Umsatzentwicklung für drei oder mehr Jahre ist aus meiner Erfahrung absolute Kaffeesatzleserei – zumindest dann, wenn man sich in innovationsgeprägten Geschäftsfeldern bewegt.
    Da kommt es eher drauf an, klar darzulegen, WAS man überhaupt verkaufen will, und WIE man das ganz konkret machen will. D.h., eine Art Plan ist schon nicht schlecht, jedoch sollte der aus meiner Sicht komplett handlungsorientiert sein. So kann man potenziellen Investoren seinen „Fahrplan“ aufzeigen und hat gleichzeitig für sich selbst eine Checkliste für die ersten Schritte mit dem neuen Unternehmen.
    Als wir 2008 an einigen Businessplanwettbewerben teilgenommen hatten, gab es dabei auch ein paar ganz interessante Ansätze, deren Vorgaben nicht auf den klassischen Businessplan zielten, sondern meist kompaktere Plandarstellungen anforderten.

    • Hallo Thorsten,

      da sind wir dann wohl einer Meinung 🙂

  • Ich wollte nur mal eins loswerden: Was für ein toller Artikel. Ich bin wirklich begeistert und die Tipps in der Tool Box sind übrigens auch sehr cool.

    Meine Meinung zum Artikelinhalt: Die Idee ist entscheidend und man benötigt etwas Weitsicht, Glück und man muss realistisch bleiben und in den richtigen Momenten auf Risiko setzen. Selbst der beste Plan hat bei Opel ja auch nicht geholfen.

    • Hallo Marcus,

      danke für dein Lob. Die Toolbox wir demnächst noch ausgebaut.

  • Karin

    Ich muß einen Businessplan erstellen, bzw. habe ihn bereits erstellt, da ich mich mit dem Gründungszuschuss vom Arbeitsamt selbsständig machen möchte. Ohne gehts da leider nicht. Ansonsten kann ich Deinem Artikel nur zustimmen. Vor allem im sehr schellebigen Internetbuisness ist eine Planung über mehrere jahre Papierverschwendung. Aber Deutschlands Behörden sind nunmal nicht so schenll und flexibel.

    • Hallo Karin,

      wenn man Zuschüsse oder Fremdkapital benötigt kommt man daran nicht vorbei, das ist richtig. Allerding werden auch die Geldgeber irgendwann feststellen, dass es bessere Grundlagen gibt um entsprechende Enscheidungen zu treffen. Vieleicht würden dann die Gelder auch sinnvoller Eingesetzt. Denn gerade das Arbeitsamt vergibt oft Zuschüsse an Menschen die für eine Existenzgründung eher nicht geeignet sind.

  • Franchise Experten

    … die Beitrag für die Diskussionsgrundlage entspricht nicht der Realität für die meisten Unternehmensgründer mit Fremdkapitalbedarf.

    1. Okay, wer keine Fremdkapital benötigt, kann sich die Erstellung eines herkömmlichen Businessplans ersparen.

    2. Wer mit einem Online Geschäftsmodell startet und nur wenige hundertt Euro aus der eigener Tasche investiert ebenfalls.

    3. Das trifft allerdings nur auf vielleicht 20% aller Unternehmensgründer zu.

    Alle anderen benötigen Fremdkapital und müssen um die Formalien der Banken, Bürgschaftsbanken, KfW, Arbeitsagentur, Business Angels, Venture Capital Fonds und Leasingbanken zu erfüllen einen überzeugenden Businessplan erstellen.

    Der Businessplan ist auch nicht Selbstzweck der Kapitalgeber, sondern soll den Gründer dazu zwingen sich mit seiner Geschäftsidee professionell und stratregisch auseinanderzusetzen und in dieser Phase möglicherweise auch dazu führen, das Gründer erkennt, das sein Geschäftsmodell nicht umsetzbar ist.

    Dazu dient ein Businessplan, wenn er richtig eingesetzt wird, in den nächsten Jahren auch als Controllinginstrument , um zu prüfen, ob der Blick in den Rückspiegel bei der Erstellung nicht getrübt war und Maßnahmen zur Richtungsänderung ergriffen werden sollten.

    Mit freundlichem Gruß

    Raimond Roßleben
    ROSSLEBEN CONSULTING GmbH

    • „Der Businessplan ist auch nicht Selbstzweck der Kapitalgeber, sondern soll den Gründer dazu zwingen sich mit seiner Geschäftsidee professionell und stratregisch auseinanderzusetzen und in dieser Phase möglicherweise auch dazu führen, das Gründer erkennt, das sein Geschäftsmodell nicht umsetzbar ist.“

      Das würde ich so auch unterschreiben. Allerdings gibt es dazu meiner Meinung nach dach bessere Methoden wie z.B. den Geschäftsmodellansatz von Alexander Osterwalder.

      Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, bezieht sich mein Hauptkritikpunkt auf das Zahlenwerk. Je nach Branche ist es einfach sehr schwierig Vorhersagen zu treffen.

      Auf eine strategische Planung kann man natürlich nicht verzichten.

      • Zauberland

        Hallo zusammen,

        es geht auch im Zahlenwerk nicht „nur“ um das Thema Vorhersage z.B. von zu erwartenden Umsätzen, Renditen etc.
        Es geht m.E. vor allem darum, dass der Gründer sich bereits zum Zeitpunkt der Gründung über seinen eigenen Liquiditäts- und Kapitalbedarf wirklich detailliert Klarheit verschafft.

        Egal um welches Geschäftsmodell es sich handelt, so hat jeder Gründer gerade in der Anfangsphase unglaublich viel Arbeit zu leisten, die nicht unmittelbar mit der Generierung von Umsatz zu tun hat. Diese Phase will sehr gut geplant sein, damit der Gründer von Anfang an mit der größtmöglichen wirtschaftlichen und finanziellen Sicherheit umsetzen kann.
        Ich stimme Raimund Roßleben vollumfänglich zu.

        Nach aktuellen Erhebungen des Bundesministeriums für Wirtschaft sind die 4 Hauptgründe für das Scheitern von Neugründungen

        1. Finanzierungsmängel – Gründer unterschätzen ihren Finanzierungsbedarf
        2. Marketingdefizite – Eine gute Idee allein schafft noch keinen Umsatz
        3. Qualifikationsmängel – Hier geht es weniger um die fachliche als um die betriebswirtschaftliche Qualifikation
        4. Planungsmängel – Oft ist die Planung fehlerhaft oder die Planung wird nicht eingehalten

        Diesen Herausforderungen einer Gründung kann nur durch einen guten und fundierten Businessplan begegnet werden, der dem Gründer als wichtigste Grundlage und als Leitfaden für eine erfolgreiche Existenz dient.

        Mit freundlichen Grüßen
        Mariella Poenaru

  • Guten Morgen,

    solange die Bürokratie (Agentur für Arbeit, KfW, Banken, usw.) bedient werden muss, wird ein Schriftstück, eine Struktur oder ähnliches eingereicht werden müssen. Das derzeitige Muster des Businessplans ist nach meiner Ansicht überholt und in der Handhabe starr. Hier werden sich die „Ämter“ mittelfristig an den Gründern orientieren müssen und nicht umgekehrt. Denn so ist es weder effektiv noch effizient, Pläne zu erarbeiten, die „nur“ eine temporäre Anspruchsgruppe benötigt, die schnell veralten und deren Erstellungszeit besser eingesetzt werden könnte.

    Ein Gründer sollte ein Tool nutzen, das sowohl als „Businessplan“ (der Ämtern reicht und den auch Laien verstehen) als auch als „Arbeitswerkzeug“ fungieren kann.

    Als Gründungsberater setze ich in der Sondierungsphase des Gründers – also sehr früh – die Business Model Generation von Alexander Osterwalder ein (gibt es nicht in deutscher Sprache). Denn so erkennt der Gründer zeitig die Zusammenhänge zwischen den komplexen Themenblöcken seiner Gründung. Außerdem ist diese Methode „nutzerfreundlicher“. Mit diesem Wissen lässt sich auch der „klassische“ Businessplan für die „Ämter“ flüssiger erstellen.

    Wenn es um die Zahlen geht, empfehle ich derzeit die UGS-Software (http://www.ugs.de). Sie ist sehr vielseitig und kann auch komplexe Planung bewältigen, wenn es spezieller werden soll. Der Vorteil in dieser Software liegt darin, dass sie mit dem Gründungsunternehmen wachsen kann. (Die „offiziellen“ Tools, die meist aus Excel-Listen bestehen, sind meiner Meinung nach für eine weitere Verwendung ungeeignet. Ferner überfordern sie die meisten Gründer und verifizieren die Zahlen nicht.)

    Was die Umsetzung des Businessmodells betrifft, verwende ich Aufgabenlisten für alle erdenklichen Bereiche. Gesteuert über eine Online-Plattform, damit ich als Berater die Umsetzung überwachen kann. Damit hat der Gründer erneut ein probates Mittel an der Hand, das er sofort einsetzen kann. Der „klassische“ Businessplan hat hier bekanntlich seine Grenzen bzw. reisst operative Maßnahmen nur an.

    Alles in allem muss ich feststellen, dass sich Gründerkultur stark verändert. Die Gründer werden professioneller und verlangen nach nützlicher Unterstützung bei der Gründung (und keinen Papierkram).
    Ich bin der Meinung, dass sich die Empfänger der „klassischen“ Businesspläne mittelfristig eher an dem Prozedere der VCs orientieren werden. Dort ist man nämlich von vorne herein darauf ausgerichtet ein Idee langfristiger zu durchdenken und auch nachzusteuern.

    Beste Grüße,
    Christian Kramer
    Der Startup·Navigator
    http://www.der-startupnavigator.de

  • Als ich vor 15 Jahren gründen wollte, mußte ich auch für die Bürokratie einen Businessplan schreiben. Der war allerdings ein reines Placebo.
    Ich war mit meiner damaligen Wirtschafts- und Arbeitserfahrung (kulturwissenschaftliches Studium und erst zwei Jahre im Arbeitsleben) überhaupt nicht in der Lage, so etwas seriös zu erstellen und es war auch unnötig. Ich war eine 1-Frau-Beratungsfirma, als alleinerziehende Mutter ohnehin nicht kreditwürdig und mußte nicht viel investieren. Ich wußte, was ich wollte und tat und damit ich mich nicht ruinierte, sah immer mal ein Freund drauf, der Banker war.
    Sämtliche Planungen warf das Leben ohnehin nach zwei oder drei Monaten über den Haufen, im positiven, wie auch im negativen Sinne. Trotzdem und vielleicht grade deshalb war ich sehr erfolgreich.
    Auch bei meiner zweiten Gründung lief es nicht anders. Ich konnte nun zwar viele Dinge besser einschätzen und strukturieren, aber das Leben hat seinen eigenen Kopf.
    An Beratungsleistungen sind mir zwei Dinge wichtig:
    1. Einen Sparringspartner haben, der meine Ideen und Gedanken spiegelt und sortiert.
    2. Einen Helfer haben, der einen Blick auf die Finanzen hat, das ist nicht so mein Ding.

    Deshalb halte ich einen Businessplan für wenig kapitalintensive Gründungen bzw. Einzel-Personengesellschaften für überflüssig.

  • Bethke

    Hallo,
    sehr interessantes Thema! Habe auch schon mehrere BP hinter mir die nicht (über das Arbeitsamt) anerkannt wurden. Zudem hatte ich gute neue Ideen die ich aber nicht vorher sehen konnte, wie sich das nun in Zukunft entwickeln wird. Also eine Prognose fast unmöglich. Nun stellte ich fest, das sich andere Unternehmen mit der gleichen Idee auf dem Markt etablierten. Warum? Denke das diese Unternehmer besser vorbereitet waren und auch sicherlich ein gewisses Grundkapital hatten. Nicht zu vergessen das man im Betriebswirtschaftlichen fit sein muss und Basiswissen haben sollte und man muss sehr viel Informationen heraus hohlen. Leider gibt es viele Tip´s nicht über das Arbeitsamt. Diese setzen alle schon Grundlagen voraus, das sein Unternehmen 100% funktioniert. So wie es viele Geldgeber voraussetzen. Nur schade finde ich es hier in Deutschland – das nicht die Idee zählt, sondern die reine Wirtschaftlichkeit. Wer halt nicht so fit in Betriebswirtschaft ist, benötigt Hilfe. Hilfe ist teuer wenn sie gut ist. Nun das ist der Punkt der mich betroffen hat. Ich konnte mir diese Hilfe einfach nicht leisten und diese Kosten wahren höher als ich für mein eigentliches Unternehmen investiert habe. Wissen kostet, das war immer so. Man kann sich halt nicht jegliches Wissen leisten. Schade für die Idee, die man gerne umsetzen möchte. Leider wurde auch von einigen Existenzgründer Missbrauch von gemacht. Das macht die Kontrollen schärfer und die Glaubwürdigkeit geringer. Trotzdem soll man neue Ideen nicht immer als Unmöglich oder unkalkulierbar sehen.

  • Pingback: Was Startups von Star Wars lernen können.()

  • Anonymous

    Qualifizierte Businesspläne
    sind notwendiger denn je

    Sehr geehrter Herr Weider,

    zunächst war ich einigermaßen entsetzt über Ihre These, ein
    Gründungsvorhaben ließe sich gewissermaßen besser ohne Plan realisieren. Im
    Verlauf der Argumentation wurde allerdings dann klar, dass sich diese
    Auffassung im Kern eigentlich auf die immer häufiger einreißende Unsitte
    bezieht, einen Businessplan (BP) zu schreiben oder auch fremd erstellen zu
    lassen, nur um der Notwendigkeit nachzukommen, einen solchen für das Abgreifen des
    Gründungszuschusses oder die Gewährung eines Gründungsdarlehens vorlegen zu
    können. Dabei interessiert es dann weniger, was da drin steht, sondern mehr „Was
    muss denn bei der Planung heraus kommen?“, damit sie für den Adressaten ausreicht
    und dem verfolgten Anliegen dient.  

    Tatsächlich gibt es inzwischen zahlreiche Auswüchse, die den
    eigentlichen Sinn und Zweck eines BP nicht mehr erfüllen. So wird im Web z.B.
    ein Businessplan to go beworben, der im Handumdrehen erstellt wird und mit
    dessen Inhalt sich der Auftraggeber wohl kaum befassen wird und ihn auch selten
    interessiert. Noch grotesker ist ein Businessplan, „der sich selbst schreibt“ ,
    sich aber „tausendfach bewährt“ habe. Kommentar eines Käufers zu diesem
    Angebot: „Wahnsinn, was Ihr da verschickt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen und
    insofern schließe ich mich der hier zu kommentierenden Meinung an:
    „überflüssig“.

    Aber das ist nicht der Businessplan, den erfahrene, problemorientierte
    Gründungsberater und risikoempfindliche Kapitalgeber für unabdingbar halten.
    Diese haben vor allem hinsichtlich der Herangehensweise bei der Erstellung sowie
    seinem Zweck und Nutzen ein wesentlich anspruchsvolleres Verständnis.

    Natürlich bewahrheiten sich die bekannten
    Controller-Weisheiten zur Unvorhersehbarkeit der Zukunft in diesen stürmischen Zeiten
    mehr denn je:   

    ·        
    Die Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum.

    ·        
    Erstens kommt es anders als man zweitens denkt.

    ·        
    Trotz Prognose ging alles in die Hose.

    Und dennoch scheitern Unternehmensgründer oft und vor allem
    an mangelhafter eigener Planung – und im Übrigen auch oft an ihrer Beratungsresistenz.
    Jährlich wagen geschätzte 400.000 Menschen in Deutschland den Sprung in die
    Selbständigkeit. Nur ein Drittel von ihnen lässt sich dabei professionell
    beraten und gehören dann überwiegend zu den 50 % der Neu-Unternehmer, die die
    ersten fünf Jahre der Bewährung im Markt auch bestehen. Die andere Hälfte
    scheitert meist  innerhalb der ersten
    drei Jahre und beendet oft mit hohen Schulden den Traum von der Selbständigkeit.
    Denn zum Gründungsdarlehen, das sie oft schon mit unnötigen Ausgaben und
    Fehlinvestitionen in den Sand gesetzt haben, kommen noch die bis zur Insolvenz
    aufgelaufenen Verluste in Form von Verbindlichkeiten bei Geschäftspartnern hinzu.
    In der Mehrzahl der Fälle wäre das bei ordentlicher Planung zu vermeiden oder
    die Planung hätte von vorne herein erwiesen, dass das Vorhaben unrentierlich ist
    bzw. der Cash Flow zu gering wäre oder zu spät einsetzen würde, um mit dem
    verfügbaren Finanzbudget über die Runden zu kommen.

    Diese Zahlen zeigen, dass das Gründungsgeschehen aktuell
    leider oft wenig mit rationalem Handeln zu tun hat. Grundvoraussetzung rationalen
    Handelns ist aber vor allem ein konsistenter, im Reifungsprozess der um das
    Gründungsvorhaben kreisenden Gedanken abgeprüfter, mit neuen Ideen und
    Erkenntnissen immer wieder aktualisierter und strukturierter Plan. Mit einem
    auf diese Weise entwickelten Plan können viele Probleme bereits vor der
    Gründung aus dem Weg geräumt werden, denn ein guter BP beinhaltet eine
    argumentativ schlüssige Abklärung aller Überlegungen zum unternehmerischen Vorgehen
    und schafft Transparenz sowohl über die dazu benötigten Ressourcen, Bedingungen
    und Voraussetzungen als auch über die Schwächen und kritischen Erfolgsfaktoren
    des Konzepts, sowie Wege diese sicher zu stellen bzw. zu stabilisieren.

    Richtige Planung dient dem Gründer auch zur jederzeitigen Bestimmung
    des Standes seines Vorhabens und zur aktuellen Orientierung über die nächsten
    erforderlichen Schritte sowie deren gegenseitige Abhängigkeit. So gesehen ist der
    BP also gewissermaßen das Drehbuch zum Gründungsprojekt. Hat ein Regisseur
    schon jemals einen Film gedreht, ohne ein Drehbuch zu haben? Bestimmt nicht!
    Warum also sollte dann ein BP obsolet sein? Denn er schafft mit seiner
    Transparenz auch die Möglichkeit mit alternativen Szenarien bzw. weiteren Optionen
    (Plan B) auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren, „to survive the first
    contact to customers“.

    Zunächst einmal schreiben die Gründer den BP also für sich
    selbst! Er hilft ihnen ihre Gedanken zu ordnen und abzuprüfen sowie sich selbst
    Rechenschaft über die einzugehenden Risiken abzulegen und eine Roadmap hin zum
    Gründungsziel zu entwerfen. Am Ende ist er aber auch die Visitenkarte des
    Gründers und seines Vorhabens gegenüber den Finanziers und zukünftigen
    Geschäftspartnern.

    Das heißt aber nicht, wie viele glauben, dass damit die Planung
    für alle Zeit abgetan wäre und man den BP nach Zusage des Gründungsdarlehens ad
    acta legen könnte, weil seine Aufgabe dann erfüllt sei. Auch später wird ein
    professioneller Unternehmer den Erfolg seines Geschäfts voraus denken, also
    planen müssen, und die Zielerreichung Schritt für Schritt an Hand des
    abgestimmten Budgets überprüfen. D.h. er wird sich zur Absicherung des
    Geschäftserfolgs ein zweckentsprechendes Controlling-System einrichten. Dieses
    besteht zum einen aus einer Planung im Sinne einer Vorschaurechnung und einer
    zeitnahen Ermittlung der dann erreichten Istzahlen. Aus dem Soll-Ist-Vergleich
    wird er dann die zu ziehenden Konsequenzen ableiten, d.h. die Stellgröße der
    erforderlichen Korrekturmaßnahmen an den Steuerungsparametern bestimmen, um durch
    Rückkopplung im Zielkorridor zu bleiben. Das ist dann das viel zitierte
    Management.

    Kurz gefasst und resümierend: Der Businessplan ist kein
    leerer Selbstzweck, sondern der Beginn eines nicht mehr endenden
    Unternehmensplanungs- und –steuerungsprozesses, dem wichtigsten Managementprozess
    eines gut geführten Unternehmens überhaupt und damit unabdingbar oder wie es
    heute heißt: „alternativlos“.

    Meiner Ansicht nach irren Sie, wenn Sie meinen, ein Plan sei
    ein statisches Bild der gedachten Unternehmenslage zu bestimmten Zeitpunkten.
    Der Plan lebt, d.h. er ist ständig auf Basis des Ist und der im Zeitablauf
    erweiterten Sicht in die Zukunft zu aktualisieren und gegebenenfalls auch zu überarbeiten.
    Der BP ist also ein Abbild der Vorstellungen des Unternehmers über die Zukunft,
    das Schritt für Schritt den gemachten Erfahrungen anzupassen ist. Im realen
    Chaos der Geschäftsereignisse (wie uns einst das Monopoly mit den
    Ereigniskarten schon lehrte) und des Marktgeschehens gibt er Orientierung zu
    situationsgerechtem Handeln. Ohne einen Plan müsste der Unternehmer orientierungslos
    agieren, was in den meisten Fällen sehr schnell äußerst fatal enden würde. Nur
    Ausnahmetalente handeln instinktiv richtig und benötigen keine
    Referenzinformationen, niemals aber auf Dauer.

    Weiter bezweifeln Sie, dass ein fachlich versierter Berater
    einer Rentabilitätsrechnung Plausibilität bescheinigen könne. Sie werden jedoch
    zugeben müssen, dass es fachlich einwandfreie Verfahren der Kosten- und
    Erlösrechnung gibt, dass heute für fast jeden Parameter und jede Branche
    Benchmarks zur Verprobung der Annahmen verfügbar sind und dass mit Sensitivitätsanalysen
    das Risiko von Abweichungen der angenommenen Rechengrößen abgeschätzt werden kann.
    Ganz wichtig ist natürlich, dass jede einzelne quantitative Annahme mit
    plausiblen Prämissen unterlegt ist. Das heißt, dass der Zahlenteil des BP eines
    Drehbuches bedarf, also den textlichen Teil des BP.

    Nun zu Ihren vier Hauptargumenten, warum Businesspläne
    überflüssig seien.

    Niedrige Gründungskosten: Zugegeben, ein niedriger Kapitalbedarf
    mindert das Gründungsrisiko, nicht aber das Geschäftsrisiko, d.h. das Risiko im
    Markt wegen Planlosigkeit zu stranden. Es ist richtig, dass die Entwicklung
    eines überlegenen Geschäftsmodells, insbesondere unter diesen
    Gründungsbedingungen, vorrangig ist. Aber seit wann kommt ein BP ohne
    Geschäftsmodell aus? Ebenso ist richtig, dass Bootstrapping für Enterprises mit
    geringem Gründungskapitalbedarf das Mittel der Wahl ist, aber genau dieses
    Gründungsverfahren bedarf einer einfallsreichen Planung, genauen Vorbereitung
    und einer darauf fußenden ebenso sorgfältigen Umsetzung. Diese beiden Grundvoraussetzungen
    für ein erfolgreiches Bootstrapping stehen einem schnellen Start des operativen
    Geschäfts nicht entgegen, sofern man nicht nach dem Verfahren „try and error“
    vorgeht und damit sicher nicht die Voraussetzung erfüllt, von Anfang an mit
    positivem CashFlow zu arbeiten. Im Übrigen verweise ich in Anlehnung an die
    Ausführungen zum Bootstrapping im Gabler
    Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung von Tobias Kollmann auf den Grundsatz 5:  Die Gründer müssen beim Unternehmenswachstum
    entsprechend der nur begrenzt vorhandenen Ressourcen kontrolliert vorgehen.
    Kontrolliert vorgehen kann man aber nur mit einem Plan.

    Alternative
    Finanzierungsquellen: Wie
    will man die alternativen Gründungsfinanzierer mit guten Argumenten überzeugen,
    wenn man diese nicht über einen – wie von mir bereits oben propagiert – im Planungsprozess
    des Gründungsvorhaben abgeprüften, mit neuen Ideen und Erkenntnissen immer
    wieder aktualisiertes und strukturiertes Konzept entwickelt hat? Denn ein guter
    BP beinhaltet nun mal eine argumentativ schlüssige und rechnerisch als
    konsistent erwiesene Abklärung aller Überlegungen zum unternehmerischen
    Vorhaben und schafft Transparenz sowohl über die dazu benötigten Ressourcen,
    Bedingungen und Voraussetzungen als auch über die Schwächen und kritischen
    Erfolgsfaktoren des Konzepts, zu denen dann gegenüber den Finanziers Stellung genommen
    werden kann. Und selbst wenn nur die Idee überzeugen muss, so wird man
    Überzeugung nur erreichen, wenn man als Gründer selbst überzeugend ist, d.h.
    sich seines Planes gewiss ist. Übrigens, wie will man die von den alternativen
    Gründungsfinanzierern benötigte Mindestkapitalmenge anders bestimmen als mit
    einem Plan, wenn man nicht erst mit dem sprichwörtlich dicken Daumen in den
    blauen Himmel zielen will und dann kurz danach wegen eines Nachschusses
    nachsuchen muss?

    Die Zeit ist
    schneller: Sicherlich altern
    die Annahmen eines Planes im Zuge der immer dynamischer verlaufenden
    Wirtschaftsentwicklung auch immer schneller. Das zwingt zu intensiver
    Informationsgewinnung über die Entwicklungen in den Märkten und zu zeitnaher
    Aktualisierung, denn ein BP ist keine statische Festlegung und auch keine
    sichere Vorhersage des künftigen Ist. Aber das war sie noch nie; und wie sich
    jeder Marktteilnehmer in seinen Handlungen der zunehmenden Dynamik der
    Entwicklungen anpassen muss, so muss er es auch mit geeigneten Maßnahmen bei
    der Planung tun. Vor allem ein höherer Informationsinput und größere
    Sicherheitsreserven für mehr Flexibilität in der Planung schaffen dazu den
    Ausgleich. Zugegebenermaßen konterkariert das zwar in gewissem Maße die
    Grundsätze des Bootstrapping. Vorschlag zur Lösung in diesem Dilemma:
    Verkürzung des Planungshorizonts, was beim Bootstrapping ohnehin problemlos ist,
    da sich das knapp investierte Kapital auch in kürzerer Frist amortisiert haben
    wird als bei klassischen Gründungen. Denn der Planungshorizont wurde ja nicht grundlos
    so weit gefasst, sondern auf die benötigten langen Darlehensfristen abgestellt.
    Aber eine Amortisationsrechnung ist ja bereits wieder Bestandteil der Planung,
    womit sich mein Argumentationskreis wieder schließt. Ohne Planung geht es eben
    einfach nicht!

    Den Businessplan
    liest niemand: Das kommt
    drauf an! Es kommt drauf an, wer und wieviel er in ein Start-up investieren
    will und wie konkret die Investitionsentscheidung vorangekommen ist. In einer
    Bank, aber nicht nur dort, herrscht das Vier-Augen-Prinzip bei einer
    Kreditentscheidung. Zwei Augen davon prüfen den BP sicherlich auf Konsistenz.
    Wie aber bereits oben ausgeführt, ist der BP auch eine Visitenkarte des
    Unternehmers. Und wenn Banker vor allem in Personen und nicht zuerst in einen
    BP investieren, so wird der BP und dessen Qualität vom Kreditgeber doch in
    seine Bonitätsbeurteilung als wesentliche Komponente mit einbezogen; dies umso mehr,
    als Gründungsdarlehen überwiegend ohne Sicherheiten gewährt werden.

    Fazit: Wäre
    der Businessplan ein Auslaufmodell, so wären das auch die Unternehmensplanung
    und das Controlling. Solch eine These ist wohl kaum haltbar. Zuzustimmen ist,
    dass der Businessplan sich vom Entwurf eines Unternehmenskonzeptes
    unterscheidet. Er ist aber nicht die Alternative dazu. Das wird insbesondere mit
    den Ausführungen von Dr. Alexander Osterwalder zur Entwicklung von
    Geschäftsmodellen mit der Business Model Canvas klar. Ein auf diese Weise
    entwickeltes Geschäftsmodell wird dann möglicherweise das grundlegende und erfolgswichtigste
    Element eines Businessplans darstellen, aber nicht das Ganze oder eine
    Alternative dazu sein können, allein schon weil der Finanzteil fehlen würde. Der
    Zahlenteil mag zwar leicht verderblich und schwer verdaulich sein, er ist aber die
    quantitativ zusammenfassende Darstellung dessen, was zuerst gedanklich und dann
    schriftlich in den BP-Elementen Geschäftsidee und USP, Markt und Wettbewerb,
    Geschäftsmodell, Marketing und Vertrieb, Finanzierung, Meilensteine, Unternehmerteam
    sowie Chancen und Risiken niedergelegt wurde. Das aber ist alles so grundlegend
     und interessant, dass sich nicht nur der
    Gründer selbst, sondern alle seine Partner dafür immer wieder während des
    dreijährigen Gründungsprozesses interessieren werden.

    Mettmann, 05.01.2012

    Dipl.Kfm. Peter
    Hirth
    KMU-Beratung und Business-Coaching