

Dieser Artikel kommt von Maren Frowein. Sie stellt das Programm “Leonhard” vor, bei dem es darum geht, Strafgefangene an das Thema Entrepreneurship heranzufuführen.
Mutig, risikobereit, initiativ. Diese Eigenschaften werden von Unternehmern erwartet. Eine bestimmte Gruppe hat diese Fähigkeiten in einer oft schwierigen, zuweilen hoffnungslosen Situation gezeigt: Strafgefangene. Deswegen haben wir für diese Zielgruppe ein unternehmerisches Qualifizierungsprogramm entwickelt. Ziel ist, ihre Intelligenz und ihre Energie für eine legale, positive Zukunft einzusetzen. Das Vorbild kommt aus den USA: Hier wurde durch diese Methode die Rückfallquote von 50-70 % auf unter 10 % reduziert.
Die Motivation für das Programm „Leonhard | Unternehmertum für Gefangene“ liegt in der Überzeugung, dass Strafgefangene z.T. über ein bisher nicht genutztes Potential unternehmerischer Fähigkeiten verfügen. Wir sind davon überzeugt, dass die unternehmerische Kultur bei Strafgefangenen Im Hinblick auf Initiative, Engagement, Risikobereitschaft und Problemlösungskreativität möglicherweise stärker ausgeprägt ist, als gemeinhin angenommen. Dies legt den Schluss nahe, diese „besonderen Eigenschaften“ für die Resozialisierung von Gefangenen zu nutzen, um den Gefangenen nach ihrer Entlassung verbesserte Startchancen in der Arbeitswelt zu geben.
Für den erfolgreichen Wiedereintritt in die Gesellschaft ist es wichtig, Gefangenen eine berufliche Perspektive zu bieten. Neben den vorhandenen schulischen und beruflichen Bildungsangeboten im Strafvollzug will Leonhard durch eine unternehmerische Schulung zur Gründung kleiner Dienstleistungsunternehmen in Verbindung mit der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen und Werten die Voraussetzungen für eine berufliche Wiedereingliederung schaffen.
So unterstützen wir die Gefangenen bei der Integration in die Gesellschaft nach ihrer Entlassung, setzen aber mit ihrem Programm bereits vor der Entlassung an. Das Ziel ist, durch das Programm die Rückfallquote ehemaliger Strafgefangener erheblich zu senken und damit die Belastung für Gesellschaft und Staat zu verringern.
Vorbild für Leonhard ist das im Jahr 2004 in Texas/USA gegründete Prison Entrepreneurship Program (PEP). PEP hat in den vergangenen sechs Jahren mit großem Erfolg über 600 Strafgefangene auf dem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Besonders bemerkenswert ist, dass durch das Programm die Rückfallquote, die in Texas normalerweise bei 50-70 % liegt, bei den Absolventen des Programms auf unter 10% gesenkt wurde.
Am 10. Januar 2011 starteten wir ein 23-wöchiges Pilotprojekt in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt mit zehn Gefangenen. Bereits jetzt zeigt das Programm erste Wirkungen bei den Gefangenen: „Während der Haft gibt es viele Sprüche der anderen Häftlinge wie ‘sobald du draußen bist, sind alle guten Vorsätze weg’. Das Leonhard-Programm hingegen gibt einem Hoffnung, aus seiner Zukunft etwas Sinnvolles zu machen.“ so einer der Teilnehmer.
Drei Phasen der unternehmerischen Qualifizierung
Phase 1, die im Moment durch das Pilotprojekt abgebildet wird, umfasst den Unterricht im Gefängnis mit den Grundlagen zu Unternehmertum und Wirtschaft, der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen und Werten und die Entwicklung eines Businessplans.
Die Phasen 2 und 3 unterstützen die Gefangenen nach ihrer Entlassung und werden ab Mitte diesen Jahres aufgebaut.
Phase 2 beinhaltet die Unterstützung bei Re-Integration und Arbeitsplatzbeschaffung sowie die zeitlich begrenzte Vermittlung von Wohnraum in Integrationshäusern.
Phase 3 umfasst die Unterstützung bei einer tatsächlichen Unternehmensgründung und ein wöchentliches Businesstraining.
Alle drei Phasen werden durch ein Mentoringprogramm durch Unternehmer und Führungskräfte aus der Wirtschaft sowie Studierende der Münchener Hochschulen unterstützt.
Wie wird so etwas finanziert?
Die Kosten für das Pilotprojekt werden im Moment durch uns – die beiden Gründer – privat getragen. Für eine Teilfinanzierung setzen wir auf eine innovative Form des Spendensammelns. Dafür haben wir einen Spendenaufruf auf www.mysherpas.com gestartet. Crowdfunding heißt das Konzept, mit dem mySherpas Projekte zu verwirklichen versucht. Das Prinzip beruht darauf, dass eine große Anzahl Menschen (die „Crowd“) sich über kleine Spendenbeträge für ein Projekt engagiert und somit auch kleine Spenden eine große Wirkung haben. Leonhard versucht auf diesem Weg innerhalb von 90 Tagen 20.000 € zu generieren. Im Gegensatz dazu: 28.000 € kostet den deutschen Steuerzahler ein Gefangener im Jahr, die bei erfolgreicher Resozialisierung gespart werden.
Wie kann man sich engagieren?
Leonhard sucht Mentoren, also Unternehmer, Führungskräfte und Berater aus der Wirtschaft, die bereit sind, an Veranstaltungen in der Justiz-Vollzugsanstalt teilzunehmen, um mit den Teilnehmern ihre Geschäftsideen und Planungen zu diskutieren.
Außerdem suchen wir Privatpersonen sowie Unternehmen, die Leonhard finanziell unterstützen möchten.
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Über die Autorin
Maren Frowein war zuletzt Gruppenleiterin im Marketing bei Telefónica o2 Germany und hat dort in den letzten sieben Jahren unterschiedliche Stationen durchlaufen. Diese Erfahrungen bringt sie bei Leonhard in die Bereiche Management des Netzwerks aus Unternehmern und Führungskräften, Organisation der Veranstaltungen mit den Netzwerkpartnern sowie Sponsoring und Fundraising ein. Darüber hinaus bringt sie ihre Erfahrungen aus einer Führungskräfteschulung als Co-Trainerin ein. Sie hat ihre festangestellte Tätigkeit gekündigt, um sich vollumfänglich um den Aufbau von Leonhard zu kümmern.
Was haltet Ihr von dem Programm. Sollte man Gefangenen diese Möglichkeit bieten? Würde Ihr das Programm unterstützen?

