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Social Media Influencer – Sie l(i)eben das Netz & sind interessant für Unternehmen

Der heutige Artikel stammt aus der Feder von Lukas Adda alias „The Digital Guide„. Lukas gehört ab heute zu unseren Netzwerkautoren und wird reglemäßig über Sociale Media Marketing und Online Kommunikation schreiben. Mehr über Lukas erfahrt ihr unter Netzwerkautoren.

Deutschland ist, wie die meisten (westlichen) Länder, mittlerweile ein [lightbox title=“Social Media Land“ href=“http://en.rian.ru/images/16279/23/162792383.jpg“]Social Media Land[/lightbox]. Diese Entwicklung verspricht nicht nur Usern aller Schichten, Alter und Interessen eine neue Art des kommunikativen Miteinanders, sondern bietet auch Unternehmen die Chance sich ins richtige Licht zu rücken, ihre eigenen Produkte in einem besseren Fokus zu präsentieren und (endlich) die eigene Zielgruppe effizient und mit einem möglichst minimalen Streuverlust anzusprechen.

Das Social Media Land bringt eine neue Internet-Nutzerschaft zum Vorschein und bietet ihr eine Bühne, die vor fünf Jahren noch undenkbar war. Sie kennen sich mit den neuen Medien bestens aus, weil sie mit den Plattformen und Social Media Tools völlig selbstverständlich aufwachsen. Sie sehen das Internet nicht lediglich als eine Art Infopoint an (wie etwa die ältere Generation: „kurz mal etwas googeln“, Zugverbindungen nachschauen, Mails schreiben/verschicken, danach aber schnell wieder raus aus dem Netz) – nein – für sie ist die Welt der 1er und 0er ein erweiteter Lebensraum, der fast schon essentiell geworden ist. Sie l(i)eben das Netz! Manche von ihnen sind bereits so erfolgreich mit dem was sie tun, dass hinter ihnen eine Heerschar von Fans steht, die keinen Post, keinen Videobeitrag und keinen Kommentar versäumen möchte. Die Community macht sie zu Onlinestars, die im Begriff sind auch die Offlinewelt zu erobern. Sie sind die Social Media Influencer.

Social Media Influencer – soziodemographischer Schubladen-Versuch

Die Social Media Influencer kennen sich im Netz bestens aus. Der erste Blick des Tages gehört dem Newsfeed-Check auf dem Smartphone und endet mit einem letzten Blick auf die eigene Tagesklickstatistik. Sie sind eine Mischung aus Digital Natives (alle Kinder und Teenager unter 14 Jahren) und Millenials (alle Jugendliche, inkl. Twens die noch in den 80er geboren wurden). Diese Mischung an jungen Netznutzern unterscheiden sich gravierend von der „Generation Golf“ und älter. Sie nutzen das Internet dezentral und surfen auf mehrere Websiten „gleichzeitig“. Wogegen die Älteren häufig eine zentrale Seite als Ausgangspunkt nutzen (meist Google) und sich linear durch das WWW arbeiten.

Diese dynamische und flexible Arbeitsweise spiegelt sich nicht nur wieder in der Denkweise der Jungen sondern auch in ihrem Kommunikationsverhalten. Das Festnetztelefon ist ein Relikt aus einer sehr alten Zeit (den 90ern). Das Smartphone ist unersetzlich für sie. Sie telefonieren, SMSen, fotografieren, uploaden, downloaden, liken, follown, kommentieren, bewerten – alles das mit ihrem mobilen Begleiter. Emails werden von ihnen weiterhin häufig genutzt, jedoch verlagert sich die Konversation auf viele weitere Kanäle. Hier nur um die populärsten zu nennen:

  • Nachrichten, Kommentare,
  • Tags in Social Communites,
  • Posts und Beiträge auf eigenen Blogportalen und Microblogging-Plattformen,
  • Videos- und Fotouploads Livestreamsendungen

Das eigene Online Image steht bei den Social Media Influencer über dem Ruf in „real Life“. Früher reichten noch, wenn nicht schon durch die inneren Qualitäten, dann zumindest mit Hilfe von coolen Klamotten und der eigene Look aus, um sein Image zu prägen. Das reicht in der heutigen Zeit schon lange nicht mehr aus. Entwicklung, Entscheidungen und Aktivitäten die im Netz passieren prägen die Reputation im Netz und beeinflusst so maßgeblich das Image offline! Aus diesem Grund gilt es, das eigene Onlineprofil stets zu pimpen, zu pflegen und zu schützen. Je mehr Fans und Freunde sich um einen scharren und Daumen nach oben zeigen, desto besser. Je mehr positive Kommentare auf Youtube, Twitter und Co. desto begehrter fühlen sie sich und desto relevanter werden sie für die Umwelt und letzten Endes für Unternehmen, die mit den Social Media Influencer kooperieren.

Egal ob Einrichtungsgegenstände für die eigenen vier Wände, Kosmetik für jedermann bzw. für die Frau oder Tipps für die richtige Erziehung der eigenen Kinder. Eine große Spanne von Themen werden in kontinuierlichen Abständen von den Social Media Influencern vorgestellt und im Anschluss via weiter 2.0-Kanäle und Instrumente mit der Anhängerschaft besprochen. Die eigene Begeisterung für ein bestimmtes Thema darf dann auch gerne etwas kosten. Wenn ein bestimmter Gegenstand für das kommende Video noch fehlt, dann wird es kurzer Hand gekauft und vor die Kamera geschleift.

Einige Unternehmen nutzen das bereits für ihre eigenen Zwecke und fragen bei den User an, ob sie nicht vielleicht dies und jenes Produkt noch benötigen – häufig als Leihgabe oder aber auch zur Dauernutzung. Um die Ziele der immer größeren Begehrlichkeit, steigenden Abonnentenzahlen und mehr Likes zu erreichen, lassen sich die Social Media Influencer immer wieder neue Aktionen einfallen um aufzufallen und von den Freunden gesharet und so weiter an deren Freundesfreunde verbreitet zu werden.

Wo es vor zwei Jahren noch ausgereicht hat, sich immer mal wieder vor die Webcam zu setzen, ein Video aufzuzeichnen und online zu stellen, braucht es mittlerweile einiges mehr. Plötzlich haben Videos auch einen Vorspann mit musikalischer Untermahlung – ganz wie damals im alten Medium dem Fernsehen. Laufende Filmsequenzen werden mit weiteren Informationen und Links in speziell eingebetteten Content-Boxen angereicht und Schriften und Botschaften fliegen durch das Bild. Die Show ist voll im Gange.

Drei Social Media Influencer

Wohnprinz

Alter: 25

Seine Show:

Bastian alias Wohnprinz (http://www.youtube.com/wohnprinz) ist der Innenarchitekt, Dekorateur und Kreativling unter den upcoming Social Media Influencer Stars. Der Youtuber aus Lübeck streicht, dekoriert, bezieht und vergleicht alles was stylisch in die eignen vier Wände gestellt, gelegt, gehängt oder anderweitig, im eigenen Heim, angebracht werden kann. Ob es sich nun um Design-Lampen, Kaffeemaschinen, Kissenbezüge oder Wandfarbe handelt – jedes noch so erdenkliche Thema wird akribisch vorbereit, aufgenommen, auf Youtube gestellt und via Facebook, Twitter und co. gestreut.

Da auch in der weiträumigsten Wohnung irgendwann mal jeder Quadratzentimeter entweder besprochen oder zugestellt wurde, hat der Wohnprinz einen weitere Kanal: „Zweiten Kanal – dein Kanal zum Thema Styling, Lifestyle, Technik“ , der sich mit Themenfelder befasst, die gerne auch mal das Wohnzimmer verlassen dürfen.

  • Bislang erschienen Episoden: 125
  • Schwerpunktthemen: Wohndesign, Einrichtung, Dekoration
  • Abonnenten: 15.040
  • Kanalaufrufe: 273.383
  • Upload-Aufrufe insgesamt: 739.569
  • Facebook Fanpage: 794
  • Twitter: 1.726

Herr Tutorial

Alter: 21

Seine Show:

HerrTutorial (http://www.youtube.com/user/HerrTutorial) spricht gerne und viel vor der Kamera. Wie der Name schon andeutet ist ein häufiges und immer wiederkehrendes Thema: (Seine) Haare. Welches Produkt zu welcher Frisur passt ist eine häufige Frage und wird in minutenlangen Ausführungen und Demonstration beantwortet und zelebriert. Generell widmet sich Sami, wie er mit Vornamen heißt, auch Themen, die den eigenen Look betreffen. Ob strahlende Zähne, porenreine Haut oder Parfüm – die Spanne der zu behandelnden Produkte scheint unerschöpflich.

Aus dem Hause HerrTutorial entspringt übrigens auch TheDorient – sie ist die Schwester von Sami und produziert ebenfalls immer wiederkehrende Videos. Ihre Episoden erreichen bei weitem nicht die Reichweite von ihrem Bruder doch wie der Zufall so will hat sie es bereits in den Million Voices Telekom Spot zu der im November 2010 gelaufen Kampagne „Erlebe was verbindet“geschafft. Wer kann das schon von sich behaupten.

Die Reichweiten, die HerrTutorial mit seinen Youtube-Folgen erreicht, sind geradezu galaktisch. Zusätzliche Accounts sollen hier auch ein wenig nachgeholfen haben. Das bleibt nicht ohne Kritik. Die Zukunft wird zeigen, wie er auf diesen Vorwurf reagiert.

  • Bislang erschienen Episoden: 164 (wenn ich richtig gezählt habe)
  • Schwerpunktthemen: Haarfrisuren, Kosmetik, Selbstdarsteller
  • Abonnenten: 229.782
  • Kanalaufrufe: 9.741.256
  • Upload-Aufrufe insgesamt: 32.374.717
  • Facebook Fanpage: 55.256
  • Twitter Follower: 33.830

Aber nicht nur die Herren der Schöpfung setzten sich in regelmäßigen Abständen vor die Kamera. Weibliche Social Media Influencer sind mindestens so häufig im Netz anzutreffen wie die männlichen Artgenossen.

Ebru’s Beautylounge

Alter: 25

Ihre Show:

Ebruza (http://www.youtube.com/user/ebruZa) hat eine Show auf Youtube, die sich mehr oder weniger ganz dem Thema Make-up Produkte und Make up Tipps widmet. Ob es sich nun um Mitesser, Lippen-Korrektur, Wimperzangen-Problematiken, Farbelinsen, Liedschatten-Farbe oder es einfach nur um die Wahl des richtigen Puderpinsels geht – nichts bleibt bei der Kosmetik- und Beautyexpertin unausgesprochen.

  • Bislang erschienen Episoden: 157
  • Schwerpunktthemen: Schönheit, Beauty, Stil
  • Abonnenten: 75.252
  • Kanalabrufe: 8.199.144
  • Uploadabrufe insgesamt: 22.306.813
  • Facebook Fanpage: 8.195
  • Twitter Follower: 10.168

Fazit

Das Internet oder vielmehr die Bewohner dieses Lebensraums haben sich ihre eigene Welt und Leitbilder geschaffen. Durch das liken, sharen und kommentieren machen User andere User zu deren eigenen Onlinestars, die exakt das widerspiegeln was sie selbst sind oder gerne wären. Diese Onlinestars beurteilen ihre Umwelt und beeinflussen so maßgeblich das Handeln und Tun tausender anderer User. Sie haben ihre eigenen Shows auf Youtube, ihre Fanpages auf Facebook und ihre „Distributionsmaschine“ auf Twitter. Sie bewerten authentisch und in ihrer eignen Tonalität Produkte und Marken. Immer mehr Unternehmen und Agenturen erkennen das Potenzial dieser Social Media Influencer und treten in Kontakt mit ihnen.

Wenn der User interessiert ist bekommt er meist ein Produkt und/oder Gerät der angefragten Marke zugeschickt. Danach herrscht die künstlerische Freiheit. Das Unternehmen kann dem Youtuber natürlich eine Idee unterbreiten – die finale Ausführung bleibt jedoch dem Digital Experten überlassen. Unternehmen, die damit ein Problem haben, lassen lieber die Finger davon. Marken, die jedoch den Puls der Zeit erkannt haben und das Potenzial der viralen Power nutzen möchten, sollten sich nach einem Social Media Influencer, mit einem passenden Thema, umschauen und sie oder ihn einfach mal anschreiben. Mehr als nein sagen kann er nicht – höchstens, dass Produkt erweißt sich als so enttäuschend und mangelhaft, dass es „live“ Kritik hagelt. Aber das ist die Ermessenssache der Marke, welches Produkt sie ins Rennen schickt.

Lukas und wir freuen uns über euer Feedback in den Kommentaren. Hast auch Du Lust einen Gastartikel zu schreiben? Hier kannst Du Dich bewerben.

Bild: Some rights reserved by notsogoodphotography

  • Herzlich Willkommen.
    Toller Artikel. Ragazzi entwickelt sich immer mehr in die richtige Richtung und wird langsam zur Pflichtlektüre, vorallem weil eure Artikel am Puls der Zeit sind. 😉

    • Hallo Marc,

      vielen Dank! Freut mich sehr das zu hören bzw. zu lesen 😉

  • stimmt, Ragazzi hat sich wirklich seinen Platz in meinem RSS-Reader erkämpft. Klasse Artikel die man so in dieser Taktfrequenz und Qualität kaum findet. Weiter so!

    Zum Post: Jetzt bräuchte man nur noch eine „Suchmaschine“ für Social Influencer, mit Filter für Youtube usw. um sich die entsprechenden „Hubs“ zielgruppengerecht und themenspezifisch auszusuchen und direkt anzusprechen 😉

    • Vielen Dank, das hört man gerne!

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  • TinoTLC

    Hallo,
    toller Artikel, mit hilfreichen Tipps – vorausgesetzt man weiß schon, wer der richtige Influencer für die eigenen Ziele ist. Ich habe hier ( ow.ly/9VQ7y) mal den Solis-Report auf deutsch zusammengefasst und reflektiert. Das Influencer-Finden ist mindestens genauso schwer, wie das Influencer pflegen. Einige Tools sind nützlich um wichtige Metriken zu liefern. Worauf es aber ankommt, ist diese Zahlen richtig zu deuten.