Seite wählen

5 Social Media Mythen mit denen mal aufgeräumt werden muss.

Zum Thema Social Media Marketing wurden mit der Zeit mehr und mehr „Regeln“ aufgestellt. Während die einen durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, hat man bei anderen den Eindruck, dass wirtschaftliches Denken bei ihrer Formulierung keine Rolle gespielt hat. Einige haben sich inzwischen soweit gefestigt, dass sie schon fast als allgemeingültig bezeichnet werden. So sind diese fünf Mythen entstanden.

1. Alles dreht sich um die Konversation

Alles dreht sich ums Geld. Sind wir doch mal ehrlich. Für Marken und Unternehmen geht es in erster Linie darum Geld zu verdienen und nicht um Konversation. Die öffentliche Konversation ist in diesem Zusammenhang lediglich ein Werkzeug. Warum investieren Unternehmen wohl Zeit und Geld in Social Media Marketing? Sicherlich nicht um einfach nur Fans und Follower zu sammeln und auch nicht um den guten Freund zu spielen und sich nett  zu unterhalten, zu helfen oder massenhaft Gratis-Content und Geschenke zu verteilen.

Jedes Engagement im Social Media Bereich zielt darauf ab langfristig den Umsatz zu steigern. Nur deswegen investieren Unternehmen in Social Media Aktivitäten. Unternehmen wollen Feedback um die Bedürfnisse und Probleme ihrer Kunden besser zu kennen und ihr Angebot entsprechend darauf ausrichten. Für ein Unternehmen das wirtschaftlich geführt werden soll, müssen sich Investitionen lohnen.

Konversation und Engagement ist sicherlich eine essenzielle Komponente beim Social Media Marketing. Es ist aber nicht das Ziel. Ein Unternehmen kann heute besser als zuvor an der Konversation teilnehmen und muß vernünftige kommunikative Fähigkeiten besitzen.  Auch das ist nichts neues. Kommunikative Fähigkeiten waren schon immer wichtig.

2. Das Unternehmen verliert ein Stück Kontrolle über die Kommunikation

Ich frage mich immer wie jemand überhaupt auf die Idee gekommen ist, dass ein Unternehmen jemals Kontrolle über die Kommunikation der eigenen Kunden gehabt haben soll? Unternehmen hatten niemals Kontrolle darüber, haben sie nicht und werden sie auch niemals haben. Mund zu Mund Propaganda kann nicht kontrolliert werden, im besten Fall kann sie beeinflusst werden. Diesbezüglich hat sich nichts geändert.

Das einzige was sich kontrollieren läßt ist die Markenbotschaft. Daher gehört die Marke auch zu den wichtigsten Vermögenswerten die ein Unternehmen besitzt. Auch für kleine Unternehmen wird dieser Punkt immer wichtiger. Unternehmen müssen eine starke Markenpersönlichkeit entwickeln, die das verkörpert für was sie stehen.

Kunden können heute innerhalb kürzester Zeit einer großen Gruppe von Menschen ihre Erfahrungen mitteilen. Besonders einflußreiche Kunden, die so genannten Influencer, die viele Menschen erreichen, können ein Segen oder Fluch sein. Ist eine virale Verbreitung erstmal angestoßen, kann sie niemand aufhalten. All das unterliegt aber nie der Kontrolle eines Unternehmens. Die Kommunikation findet statt, ob mit oder ohne dem Unternehmen.

Was sich heute aber geändert hat ist die Möglichkeit sich an dieser öffentlichen Kommunikation aktiv oder passiv zu beteiligen und sie vielleicht zu beeinflussen. Unternehmen können heute sehr schnell beobachten wie Kunden auf verschiedene Werbebotschaften und Marketing Maßnahmen reagieren und diese den Reaktionen und Gewohnheiten entsprechend anpassen und optimieren.

Unternehmen können heute schon im Vorfeld Märkte und Kundengruppen genau beobachten und ihre Produktentwicklung und Kommunikationsstratgie wesentlich präziser und effizienter gestalten. Sie verlieren also nichts, sondern gewinnen dazu.

3. Es geht nicht ums Verkaufen.

Was genau macht denn ein Unternehmen? Richtig – verkaufen, zu jeder Zeit. Es geht nur darum auf welche Art und Weise. Jeder Post, jeder Tweet, jedes Video dient einzig und allein dazu ein Markenbild und Image zu kreieren, das freundlich, hilfsbereit, originell, hip, authentisch, kompetent oder was auch immer wirkt,um bei potentiellen Interessenten Sympathie und Vertrauen aufzubauen, so dass diese vielleicht einmal zu Kunden werden oder mithelfen, dass andere zu Kunden werden. Auch daran ist nichts falsch. Es geht nur darum wie verkauft wird. Marktschreiermethoden sind im Social Media Umfeld sicher nicht die beste Wahl.

Machen wir uns also nichts vor, mit jeder Aktion will uns ein Unternehmen ein kleines bisschen von sich verkaufen. Sei es ein Image, ein Gefühl, ein Versprechen etc. Die einen machen es besser, die anderen schlechter.

4. Qualität geht über Quantität

Die Wahrheit ist, man braucht beides. Ein Blog auf dem nur alle paar Monate mal ein Artikel veröffentlicht wird bringt wenig bis garnichts. Auch wenn der Artikel wirklich hervorragend ist. Qualität muss auch in einer gewissen Quantität geliefert werden um wahrgenommen zu werden. Qualität ist eine Grundvoraussetzung, aber auf die Größe kommt es eben auch an. Das betrifft viele Bereiche…

5. Es ist wichtig authentisch zu sein.

Bitte nicht übertreiben. Lukas hat schön beschrieben wie Unternehmen die Extrovertiertheit von Menschen für sich nutzen können. Oft habe ich den Eindruck, dass wenn von der Authentizität der Unternehmen geschrieben wird in Wirklichkeit ebenfalls oft Extrovertiertheit verstanden wird oder sogar gemeint ist.

Aber wollen wir, dass Unternehmen auch so extrovertiert sind? Wären die Menschen, die hinter den Unternehmen stecken völlig authentisch, würden wir eine Menge Dinge zu lesen oder zu sehen bekommen die fehl am Platz sind und in vielen Fällen, für das Unternehmen sogar zu Problemen führen würden.

Für ein Unternehmen geht es im Marketing darum sympathisch, freundlich und vertrauensvoll zu wirken. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um einen „Ein-Mann“ Betrieb handelt oder um einen Konzern. Unternehmen müssen sich attraktiv darstellen egal auf welchen Kanälen.

Es ist gut wenn eine Marke Ecken und Kanten zeigt, dadurch formt sich die Persönlichkeit oder umgekehrt. Ist eine Ecke zu groß kann man aber auch schnell mal irgendwo hängen bleiben.

Es geht daher eigentlich genau um das Gegenteil. Social Media ist ein großer Wettbewerb bei dem es um Beliebtheit geht. Wer will sich da schon unbeliebt machen.

Von Authentizität kann nur im Zusammenhang der Markenpersönlichkeit und vor allem dem Nutzenversprechen gesprochen werden. Eine Marke ist authentisch wenn Sie mir ein Versprechen gibt und das auch einhält. Nicht weil der Chef mir erzählt, dass er letztes Wochenende schlecht geschalfen hat.

BMW verspricht mir „Freude am Fahren“ genau das erwarte ich dann auch. Nicht mehr und nicht weniger.

Es ist schön, wenn bei kleinen Unternehmen die Persönlichkeit des Unternehmers Teil der Markenpersönlichkeit wird. Aber die Dosis ist entscheidend.

Fazit

Die Mythen haben ihren Ursprung in falschen Annahmen, übermäßig idealistischen Vorstellungen und der Tatsache, dass manches einfach nicht beim Namen genannt wird. In letzter Konsequenz zielt jede Social Media Aktivität eines Unternehmens darauf ab sein Produkt zu verbessern und Geld zu verdienen. Viele Spielregeln haben sich natürlich verändert und Unternehmen müssen sich darauf einstellen.

Aber ist ihnen geholfen wenn man ihnen sagt, es geht nicht ums verkaufen? Das ist doch Selbstbetrug. Wieso sollte ein Unternehmen sich im Social Media Marketing engagieren wenn nicht um zu verkaufen? Es geht nur darum wie dieses Ziel erreicht werden kann. Übertriebeneder Idealismus hilft da nicht weiter.

Was denkt ihr darüber?

Artikelbild: Some rights reserved by filtran